25. Mai 2023

Protokoll

Zu Beginn begrüßt Fr. Schwering alle Teilnehmer, anschließend findet eine kurze Vorstellungsrunde statt. Dabei wird die Erwartungshaltung seitens der BI klar kommuniziert. Fr. Schwering erklärt, dass sich bereits über 50 Bürgerinnen und Bürger der BI angeschlossen haben. Die BI sieht sich als Vertretung der Vredener Bevölkerung und ist besorgt um die lebenswerte Umwelt und um die Wasserversorgung. Viele Dinge zum Landschaftswasserhaushalt sind zu intransparent.

Es ist weder genau bekannt, wieviel Grundwasser verbraucht wird, noch wieviel im Grundwasserkörper vorhanden ist. Auch die Menge der Neubildung ist aus Sicht der BI unklar. Es ist sicher, dass es zahlreiche Grundwasser-Verbraucher in Vreden gibt, doch die SGW ist mit riesigem Abstand der größte Verbraucher, deswegen hat die BI sie besonders und als erstes im Fokus.

Parallel werden von der BI Projekte beobachtet, die den Landschaftswasserhaushalt positiv beeinflussen, wie z.B. ein Umdenken beim landwirtschaftlichen Wassermanagement. Wasser ist eine der wichtigsten Lebensgrundlagen für Pflanzen, Tiere und Menschen, diese gilt es zu erhalten.

Rechtlich gesehen ist für die BI klar, dass nach der jetzigen Gesetzgebung eine Erlaubnis - wie sie der SGW seit dem Jahr 2006 vorliegt - nicht noch einmal genehmigt werden kann. Vor allem ist das Wasserhaushaltsgesetz nicht verhandelbar. Hr. Wispel erläutert, dass sich die BI bereits umfangreich mit der Rechtslage beschäftigt hat.

Die Vertreter der SGW haben der von der BI vorgetragenen Einschätzung, dass eine der heute bestehenden Fördererlaubnis vergleichbare Erlaubnis in 2030 rechtlich kaum noch möglich sein wird, nicht widersprochen, in jedem Fall wird sich eine Folgeerlaubnis an den verfügbaren Wassermengen und dem gültigen rechtlichen Rahmen orientieren. Hr. Meyer führt aus, dass die SGW seit geraumer Zeit schon dabei ist, Alternativen zur Grundwasserförderung in Doemern zu erschließen. Sie sollen im Ergebnis dazu führen, dass nach 2030 eine weitere Grundwasserförderung in Doemern nur noch in stark reduziertem Umfang beantragt werden soll.

Die BI Vertreter weisen darauf hin, dass im Interesse von Umwelt und Natur die derzeitige Förderungsmenge auf keinen Fall mehr bis 2030 hingenommen werden könne. Wenn kein deutliches Entgegenkommen der SGW erkennbar sei, werde die BI entsprechende Rechtsmittel weiter prüfen mit dem Ziel, die bestehende Förderung schon vor 2030 zu reduzieren.

Um gemeinsame Schritte gehen zu können, kann sich die BI ein digital gestütztes System vorstellen, welches auf Daten und Fakten beruht und in visuellen Modellen aufbereitet wird. So wäre es möglich, dass Politik und Verwaltung die richtigen Entscheidungen für die Zukunft treffen können. In diesem Zusammenhang könnte gemeinsam mit der SGW und mit wissenschaftlichen Akteuren z.B. an nachhaltigen, digitalen Projekten gearbeitet werden. Einer der möglichen Partner könnte z.B. die Technische Hochschule Georg Agricola aus Bochum sein. 

Zu den Wassermengen erklärt Hr. Beckmann, dass die SGW in seiner Amtszeit der größte Einzelverbraucher im Kreis Borken war. Im Gespräch kommt heraus, dass es ursprünglich in den 1970er Jahren eine Erlaubnis für eine Gesamtförderung von 9 Mio m³ in Doemern und 2,5 Mio m³ in Hoersteloe gegeben hat. 

Aktuell ist die SGW auf der Suche nach Alternativen, wie es nach 2030 weitergehen könnte. Kurz wurde über die folgenden Möglichkeiten gesprochen: Nutzung von Wasser aus Kläranlagen und die Anbindung an Kanäle. Herr Meyer führt aus, dass sämtliche Suchen nach Alternativen zeitaufwendig sind, und sich in die Länge ziehen, weshalb mit einer Umsetzung erst um das Jahr 2030 zu rechnen ist. Sollten die Alternativen ausreichend ergiebig sein, könnte Doemern ggfs. nur noch als Backup dienen. 

Bezüglich der Kläranlagen hat die SGW Kontakt zur BZR MS, da diese u.a. für kommunale Kläranlagen im Münsterland zuständig ist. Grundsätzlich soll die Gesamtwasserentnahme, wo sie auch her kommt, beibehalten werden, erklären die SGW Vertreter. 

Ein weiterer Aspekt im Gespräch ist eine optimalere Nutzung des wertvollen Grundwassers. Hr. Ahler bringt dazu eine mögliche Wärmenutzung aus dem geförderten Wasser ins Gespräch ein. Die BI ist sich sicher, dass es technisch machbar wäre, das Wasser thermisch zu nutzen, um beispielsweise ein kommunales Wärmenetz damit zu beheizen.

Die Vertreter der SGW reagierten auf diesen Sachverhalt mit Interesse. Jedoch sind die personellen Kapazitäten bereits mit dem Kerngeschäft so sehr ausgelastet, dass zusätzliche technische Überlegungen derzeit nicht bearbeitet werden können. 

Die BI fragt schließlich, ob die SGW in Dürrezeiten technisch bei der Trinkwasserversorgung helfen könnte. Auf diesen Sachverhalt geht Hr. Bretthauer ein und erklärt, dass es technisch keine Verbindung zwischen dem SGW Wassernetz und der öffentlichen Wasserversorgung gibt. Zudem müsste das Wasser aufwendig aufbereitet werden. Hr. Ahler fragt ergänzend, wie die Versorgung der Doemeraner Anlieger in Dürrezeiten gewährleistet werden könne. Dazu gibt es Notfallpläne. 

Nachdem die Mitglieder der BI zahlreiche Fragen gestellt haben, erklären die Vertreter der SGW mit Hilfe einer PowerPoint Präsentation das Geschäftsmodell der SGW. Herr Meyer erklärt, dass die geförderte ausgespülte Sole zu den Chemieparks in Marl (Vestolit) und Rh Rheinberg (Solvay) gepumpt wird.

Hr. Klaus führt aus, dass in Summe jährlich ca. 2 Mio. Tonnen Salz gewonnen werden, welche ca. 1 Mio. m³ Hohlraum in den Kavernen erzeugen. Dazu werden knapp über 6. Mio. m³ Wasser in Doemern und Hörsteloe gefördert. In diesem geschlossenen System kann nicht auf Halde zu produziert werden, ergänzt Hr. Meyer. Falls Bedarf an Untergrundspeicherung besteht, kann die Aussolung unterbrochen werden und die Kavernen werden an Speicherunternehmen übergeben. In Epe lagert aktuell ein Teil der deutschen Rohölreserve, darüber hinaus speichern deutsche und niederländische Unternehmen (z.B. Uniper, RWE, Nuon) große Mengen an Erdgas.

Während der Präsentation fragt Fr. Schwering nach der starken Umweltbeeinträchtigung am Ölbach in Doemern. Herr Bretthauer erklärt, dass die SGW für das Trockenfallenlaufen des Öl-baches in den Sommermonaten während der vergangenen Jahre verantwortlich ist. Er erklärt anhand einer Präsentationsfolie, dass die Brunnengallerie sehr nah am Ölbach und komplett parallel zu diesem verläuft. Dies hat im Laufe der Jahre zu einer ‚Unterschneidung’ des Gewässers geführt, so dass der Ölbach im Absenkbereich keinen Kontakt mehr zum Grundwasser hat und somit das Wasser nach unten wegsickert. 

Fünf der Brunnen in Doemern sind bis zu 160 Meter tief. Die anderen Brunnen fördern das Wasser in Tiefen von 15 bis 43 Metern, so Herr Bretthauer. Auch dies wird mit Hilfe einer Grafik genau erklärt. Fr. Schwering wundert sich, dass von dieser Tiefe auch bereits Anfang der 1990 er Jahre in den hydrogeologischen Untersuchungen von Hr. Geyer berichtet wird.

Gegen Ende des Gespräches wird die SGW vom Naturfotografen R. Rotthues mit einem Thema konfrontiert, welches der Bevölkerung sehr am Herzen liegt. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Trockenfallen des Zwillbrocker Venns und den Tätigkeiten der SGW in Doemern? Laut Herrn Bretthauer besteht kein  Zusammenhang des Trockenfallens im Zwillbrocker Venn mit der Wasserförderung in Doemern. Ein Einfluss auf näher gelegene Gebiete wie z.B. das 'Schwattet Gatt' ist gesondert zu betrachten. 

Das Gespräch verlief ausgeglichen und das Ziel sich gegenseitig kennenzulernen, wurde erreicht. Es werden weitere Gespräche angestrebt, denn ein offener Austausch ist für beide Seiten sinnvoll. Fr. Schwering bedankt sich bei allen Anwesenden für die investierte Zeit und die Anreise nach Vreden.