Gespräch bei der SGW in Ahaus Graes am 3. Juli 2024
mit dem NABU des Kreis Borken
Gesprächsteilnehmer
Vertreter der SGW: Markscheider Dipl. Ing. Stefan Meyer
Vertreter vom NABU des Kreis Borken: Herbert Moritz
Vertreter der Bürgerinitiative Grundwasser Vreden: Martin Ahler, Reinhard Rotthues und Elisabeth Schwering
Foto: H. Moritz1. Thema: 3-D Seismik im Kavernenfeld Epe
Anfang Juli 2024 erhielten wir kurzfristig die Gelegenheit, an einem Gespräch zwischen dem NABU des Kreises Borken und der SGW teilzunehmen. An dieser Stelle möchten wir Herbert Moritz noch einmal herzlich danken, der uns spontan nach Ahaus-Graes mitgenommen hat.
Das Hauptthema des Gesprächs war die 3-D-Seismik und Modellierung des möglichen Abbaugebietes der SGW in Graes, Gronau-Epe, Alstätte und den Niederlanden. Dieses Projekt soll in der zweiten Jahreshälfte 2024 starten. In den 1960er Jahren wurden zufällig riesige Salzstöcke in Epe bei der Suche nach fossilen Energieträgern entdeckt. Die Tätigkeiten der SGW basieren größtenteils auf den Erkenntnissen dieser geologischen Untersuchungen, bisher wurden jedoch keine neueren Verfahren angewandt.
Vier Fünftel der zu untersuchenden Fläche liegen in Deutschland, etwa ein Fünftel in den Niederlanden. Das Verfahren soll der SGW über die nächsten 30 Jahre Erkenntnisse liefern, um den Salzabbau wirtschaftlich zu gestalten. In der Vergangenheit führten häufige Probebohrungen zu nicht erfolgreichen Ergebnissen, was bei Kosten von bis zu 5 Millionen Euro pro Bohrung schnell unwirtschaftlich wird.
Die Anzahl der tatsächlich nutzbaren Messpunkte wird sich in den nächsten Monaten zeigen, da die Eigentümer der SGW zunächst eine Betretungserlaubnis für ihre Flächen erteilen müssen. Herr Meyer geht davon aus, dass es nur geringe Auswirkungen auf Fauna und Flora geben wird, da das Verfahren außerhalb der Brutzeit stattfindet. In Naturschutzgebieten werden Vibro-Trucks nicht fahren dürfen, stattdessen werden dort unterirdische Sprengungen durchgeführt.
Bei dem Verfahren für die 3-D-Modellierung werden durch Sprengungen und Vibrationen Geräusche und Schwingungen erzeugt, deren Auswirkungen an bis zu 30.000 Messgeräten gemessen werden. Eine polnische Firma wird die Messungen in Kombination mit einem biologischen Begleitverfahren durchführen. Die biologische Station Zwillbrock ist in das Verfahren eingebunden und es gibt Verbindungen zum Projekt zur Wiedervernässung des Hündfelder Moores.
Die Stadt Enschede zeigt ebenfalls Interesse an den 3-D-Ergebnissen, da sie Erkenntnisse über mögliche Geo-Thermie-Nutzungen liefern könnten. Diese betreffen den Untergrund über den Salzstöcken bis in eine Tiefe von etwa 900 Metern.
Die Messdaten sollen laut neuestem Geologie-Gesetz nach etwa fünf Jahren der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, so Herr Meyer. Die öffentlich zugängliche Präsentation zum gesamten Verfahren kann im Ratsinformationssystem der Stadt Ahaus nachgelesen werden. Hier der Hyperlink: Präsentation im Ratsinformationssystem der Stadt Ahaus (Stand 10.07.2024 ist die Präsentation dort jedoch noch nicht veröffentlicht).
2. Thema: Wassernutzung und Alternativen zur Wassernutzung
Die Mitglieder der Bürgerinitiative fragten nach den Entwicklungen hinsichtlich Alternativen zur Wassernutzung. Herr Meyer erklärte, dass eine Wassernutzung aus Gronau naheliegend sei. Die Leitungen wären relativ kurz und in der Kläranlage fallen jährlich bis zu 7 Millionen Kubikmeter Wasser an. Davon könnten unter guten Voraussetzungen bis zu 4 Millionen Kubikmeter entnommen werden. Ein Teil des Wassers müsste jedoch weiterhin aus dem Grundwasser entnommen werden.
Technisch wäre es möglich, in regenreichen Zeiten vorrangig das Wasser aus der Kläranlage zu verwenden und in trockenen Perioden Grundwasser aus Doemern zu nutzen. Im besten Fall wären dann jährlich nur noch 2-3 Millionen Kubikmeter Grundwasser notwendig. Im schlechtesten Fall müsste jedoch die gesamte benötigte Menge aus Doemern entnommen werden. Herr Meyer betonte, dass die SGW insgesamt nicht weniger Wasser verwenden möchte.
Das Wasser aus der dritten Klärstufe sei sauber genug für die Solung der Kavernen. Auch das Thema wasserrechtliche Erlaubnis wäre weniger problematisch, da es sich um keine echte Wasserentnahme handelt. Technisch müsste die Steuerung so funktionieren, dass je nach Niederschlagsmenge und Wasserstand in den Fließgewässern das Wasser aus der Kläranlage entnommen wird.
Elisabeth Schwering bemerkte positiv, dass die Last der Wasserbereitstellung auf mehrere Schultern verteilt werden soll. Sie fragte, ab wann öffentlich über dieses Thema berichtet und diskutiert wird. Herr Meyer betonte, dass es noch keinerlei Verträge gibt und das Verfahren zur Nutzung von Klärwasser relativ neu entwickelt werden muss, sowohl rechtlich als auch technisch. Viele Akteure müssen beteiligt werden, darunter die Stadt Gronau, die Stadtwerke Gronau, der Kreis Borken, die Bezirksregierung Münster und Arnsberg, Twente-Waterschaap und das Landesamt für Umwelt.
3. Thema: Einlagerung von radioaktiven Abfällen in den Kavernen
Herr Meyer erklärte, dass die Salzvorkommen in Epe in stabilen Schichten gelagert sind. Dennoch sei die Region nicht zur Lagerung von radioaktiven Abfällen geeignet, da die Aktivitäten der SGW und der Energieunternehmen Bodenbewegungen verursachen, die für eine solche Einlagerung vermieden werden müssen. Die SGW Tätigkeiten schützen somit vor einer Atommüll-Einlagerung.
4. Thema: Thermische Nutzung der Energie aus dem Wasser
Martin Ahler sprach an, dass die thermische Energie aus den großen Wassermengen für die Nahwärmeversorgung genutzt werden könnte. Herr Meyer wies darauf hin, dass dafür eine sehr gleichmäßige Abnahme der Wärme notwendig ist, was aufgrund der starken saisonalen Schwankungen schwierig ist.
Elisabeth Schwering schlug vor, dass eine Gemeinde wie Alstätte durch das nahegelegene Grundwasser der SGW mit Nahwärme versorgt werden könnte. Herr Meyer meinte jedoch, dass eher eine größere Stadt wie Enschede diese Technik nutzen möchte, da sie über mehr Expertise in diesen technischen Themen verfügt. Die Entwicklung solcher Konzepte müsse durch die Stadtverwaltungen angestoßen werden, was nicht einfach ist, da spezielles Know-how erforderlich ist.
Martin Ahler betonte erneut, dass dies technisch relativ einfach wäre und die Wärmemengen gigantisch sind. Es sei unvorstellbar, dass diese Energie nicht genutzt wird, da nur eine geringe Absenkung der Wassertemperatur enorme Energiepotenziale freisetzen würde.
Wir bedanken uns herzlich bei der SGW für die Gastfreundschaft und für die gute Beantwortung der Fragen.